„Wollte eigentlich Formel-1-Fahrer werden!“

Interview mit unserem Schulpraktikanten, Herrn Wolfgang Moisl.

HEAST NED: Herr Moisl, was ist eigentlich ein „Schulpraktikum“?

Der Vorteil des Studiums Wirtschaftspädagogik ist, dass ich sowohl Lehrer als auch z. B. Steuerberater sein kann.  Das finde ich sehr cool. Jetzt bin ich ein ganzes Semester bei euch gewesen, in der 1ck, 3bk und in der 1. Klasse Praxisschule und habe dort verschiedene Fächer unterrichtet, selbst Schularbeiten zusammengestellt, Noten geben dürfen. Mit meinen Betreuungslehrerinnen Frau Prof. Hanser, Frau Prof. Elser und Frau Prof. Satzinger habe ich darüber immer gesprochen, Tipps eingeholt und es war sehr hilfreich für mich.

HEAST NED: Wie sind Sie auf unsere Schule gekommen?

Ich bin ja aus dieser Gegend, aus Bad Goisern, studiere in Innsbruck und wollte unbedingt wieder hierher zurück. Nirgends ist es schöner als bei uns. So bin ich auf die HAK Bad Ischl gekommen, auch weil ich von dieser Schule von den Absolventen nur Gutes gehört habe. Das waren Ansporn und Motivation für mich.

HEAST NED: Ist das Schulpraktikum ein Sprung ins kalte Wasser?

Das war es nicht direkt, weil vor dem Unterrichten hospitiert man. Man sitzt zwei Wochen im Unterricht, beobachtet, wie die Klasse funktioniert. Wenn man die Schüler/innen kennt, beginnt man mit dem Unterricht.

HEAST NED: Hat man Angst vor den Schüler/innen?

Nein, sonst wäre das der falsche Beruf für mich.

HEAST NED: Haben Sie sich manchmal gedacht, „Lehrer sein ist auch nicht immer leicht“?

Ja, das habe ich mir schon das eine oder andere Mal gedacht. Es gab lustige Situationen und solche, die nicht ganz so einfach waren.

HEAST NED: Fällt Ihnen so eine lustige Situation ein?

Ein Schüler wollte sich einen Spaß erlauben und beantwortete ein Mail von mir mit einer Aufgabe mit „Hallo, Herr Moisl!“ –  fünf Tage später. Oder die Schüler wollten auch wissen, wie alt ich bin. Ich habe es ihnen nicht gesagt, dann haben sie mich zu alt geschätzt. Das hat mich sehr gewundert.

HEAST NED: Ab 30 Jahren ist man für die Schüler ja dann schon sehr alt. Über welchen Zeitraum geht dieses Schulpraktikum?

Von Anfang Oktober bis Ende Jänner, also ein Semester. Man erhält 30 ECTS-AP.

HEAST NED: Wollen Sie dann als Lehrer unterrichten?

Ganz sicher möchte ich einmal als Lehrer unterrichten. Was ich vergessen habe zu sagen: Wenn ich mit dem Studium fertig bin, muss ich zwei Jahre Praxis machen. Erst dann darf ich in die Schule gehen. Damit will der Staat sicher gehen, dass ich euch später etwas aus der Praxis erzählen kann. Sonst kann man gleich direkt in der Schule einsteigen, bei Wirtschaftspädagogik ist das eine Ausnahme. Frau Prof. Sotz-Hollinger hat im Marketing gearbeitet, Frau Prof. Satzinger in der Personalabteilung. Jeder hat so seine verschiedenen Bereiche. Das habe ich als Schüler auch nicht gewusst, aber ich war ja nicht an einer HAK.

HEAST NED: Wollten Sie als Schüler schon Lehrer werden?

Eigentlich wollte ich Formel-1-Fahrer werden, dann wollte ich Sport und Geografie studieren. Dann habe ich gedacht, dass vielleicht immer Lehrer sein auch langweilig sein könnte. Deshalb wollte ich die Karriereleiter erklimmen und viel Geld verdienen. Nach dem Bachelor-Studium habe ich dann gearbeitet. Das hat mich nicht wirklich glücklich gemacht. Dann habe ich die Chance erkannt, Wirtschaftslehrer zu werden.

Vor dem Studium hatte ich keinen Bezug zu Wirtschaftsfächern. Ich kann es euch nur empfehlen, es ist wirklich sehr cool.

HEAST NED: Wenn Sie das Lehrersein nicht mehr interessiert: Haben Sie vor, in der Wirtschaft tätig zu werden?

Jetzt muss ich einmal in die Wirtschaft gehen, dann möchte ich langfristig in der Schule einsteigen. Außer es findet sich ein supercooler Job und ich kann mich selbstverwirklichen. Ihr kennt ja die Maslowsche Bedürfnispyramide aus BW – es kann sich alles ändern, wenn ich meinen Traumjob finde.

HEAST NED: Wir haben in der Schulzeitung und in der Ischler Woche einen Artikel über Schulkleidung mit Hilfe eines Redakteurs erarbeitet. Ist Kleidung in der Schule wichtig? Wie stehen Sie zu Schuluniformen?

Kleidung hat etwas mit Höflichkeit zu tun. Es gibt gewisse Kleidungsstücke, die müssen in der Schule nicht sein. Z. B. am Tag der Wirtschaft hat die Kleidung eine Außenwirkung, man sollte sich also auch passend kleiden, weil man das für die Berufswelt braucht. In der Bank ist es ganz streng, im Büro weniger. Eine Schuluniform hat Vor- und auch Nachteile. Nachteil ist, die Individualität geht verloren, Vorteil ist, Schüler werden auf Grund ihrer Kleidung nicht mehr gemobbt.

HEAST NED: Haben Sie wichtige Erfahrungen in der Zeit Ihres Praktikums sammeln können?

Ja, schon. Es geht jetzt viel leichter mit dem Unterrichten, man kommt hinein. Z. B. bei Referaten war ich in meiner Schulzeit immer extrem nervös und ich habe es gehasst. Ich war zwar gut vorbereitet, brauchte keinen Stichwortzettel, aber ich habe mich nicht wohl gefühlt. Es hat sich dann doch so entwickelt, dass ich jetzt nicht mehr nervös bin, weil es ist ganz anderes, wenn man den Schülern etwas erzählt. Es funktioniert, man kann es schaffen, es automatisiert sich, man denkt nicht mehr darüber nach.

HEAST NED: Haben Sie sich die Namen der Schüler leicht gemerkt?

Es fällt mir sehr leicht, ich habe ein gutes Namensgedächtnis. Manche waren sehr erstaunt, dass ich sie mir gleich gemerkt habe.

HEAST NED: Was hebt Ihr Studium ab von anderen?

Ich finde, es ist cool, man kann Lehrer sein, muss aber nicht Lehrer sein. Das ist das Einzigartige, dass es polyvarent ist, man kann mehrere Sachen damit machen. Natürlich gibt es spezielle Studien, z. B. Steuerberater, man ist dann fachlich besser vorbereitet. Das könnte ich aber im Nachhinein auch machen. Man hat mehrere Möglichkeiten.

HEAST NED: Warum haben Sie Wirtschaftspädagogik studiert?

Ich war in einem Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Zweig. Wir hatten wenig Wirtschaft, aber eine vertiefende Richtung. Das hat mich mehr interessiert als Naturwissenschaften, aber ich bin zu spät draufgekommen, dass ich da meine Stärken hätte. Dann wollte ich das unbedingt machen. Da habt ihr schon einen Vorteil, ihr habt viele kaufmännische Fächer und seid auf diesem Gebiet exzellent vorbereitet. Im Wirtschaftsstudium lernt man das Buchen nicht mehr. Der Vorteil ist, ihr könnt das schon. Oder in BW lernt ihr über Versicherungen, das ist echt cool. Z. B. im Falle eines Autounfalls, wie das mit dem Bonus-Malus-System funktioniert. Ist eine Supersache. Oder Kaufvertrag.

HEAST NED: Haben sich bei diesen Themen Ihre Studienkollegen schon besser ausgekannt als Sie? Hatten Sie viel nachzulernen?

Ja, extrem. Z. B. Kostenrechnung. Für mich war das sehr kompliziert zum Nachlernen. Die UNI-Professoren haben ihre eigenen Bücher, die sie für die Vorlesungen verkaufen. Die sind aber relativ kompliziert geschrieben. Dann habe ich mir ein HAK-Buch von meinem Großcousin ausgeborgt, das war einfach und verständlich. So hat das dann ganz gut funktioniert, weil die Systematik der Buchhaltung ist eigentlich sehr einfach, wenn man es einmal verstanden hat. Ein Studienkollege hat gesagt, der Bachelor ist „Matura advanced“ im Wirtschaftsbereich, weil er nach der HAK nicht extrem viel dazugelernt hat. Z. B. Das Thema Wertpapiere wird in der Schule sehr gut aufbereitet, z. B. durch Spiele. Sonst hat man da wenig Berührungspunkte, wenn man sich nicht selber dafür interessiert.

HEAST NED: Wie schaut ein Arbeitstag an der Schule aus?

Ich muss das ganze Semester 180 Stunden an der Schule sein. Ich bin durchschnittlich 10 Stunden in der Woche in den Klassen drinnen, ich muss nicht immer unterrichten, ich schaue auch zu. Das horcht sich wenig an, aber die Vorbereitung ist sehr intensiv und braucht ihre Zeit. Z. B. habe ich für die 1ck ein Rollenspiel über Steakholder geschrieben. Ich habe es gern gemacht und den Schülern hat es gefallen. Sie mussten verschiedene Rollen einnehmen und etwas ausverhandeln. Man muss sich ein Konzept ausdenken, das für die Schüler auch passt. Es schaut immer recht wenig aus, aber es ist schon mehr als man glaubt. In der Öffentlichkeit glaubt man immer, als Lehrer hat man nicht viel zu tun, aber ich kann euch sagen, es ist das Gegenteil. Das waren so meine ersten Erfahrungen.

HEAST NED: Gibt es Unterstützung an der UNI für z. B. Stimmtraining oder Supervision?

Es gab Vorlesungen an der UNI darüber.

HEAST NED: Für wie wichtig halten Sie Medienkompetenz?

Medienkompetenz ist extrem wichtig. Man muss Medien, von welchen man die Informationen bezieht, kritisch reflektieren können: Sind es Fake News, sind es keine Fake News. Seriöse Quellen sind notwendig, man findet viele wichtige Sachen im Internet, aber auch viel Blödsinn. An der UNI gibt es ein eigenes Ranking für Zeitungschriften, das sagt aus, welche am seriösesten sind. Dort publizieren auch die besten Wissenschaftler.

HEAST NED: Lesen Sie täglich Nachrichten?

Eigentlich schon, hauptsächlich im Internet, z. B. die Presse. Die OÖ-Nachrichten haben wir als Zeitung zuhause abonniert.

Wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft!

 

 

 

 

 

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